Dienstag, 24. Februar 2015

bande dessinée: Weitab von einfachen Comicheften

bande dessinée: 
Weitab von einfachen Comicheften
Über gegenwärtige Brennpunkte in den aktuellen "Spirou"-Geschichten
Der neuste Ableger des "Spirou"-Magazins und somit des Verlags Dupuis erscheint offiziel am 24. Februar 2015 in den deutschen Verkaufstellen, war ebendort aber bereits früher erhältlich. Der Titel dieser von Fabien Vehlmann und Yoann Chivard geschaffenen Geschichte ist "Der Page der Sniper Alley" (Le groom de Sniper Alley).
© Carlsen
Informationen über die 75jährige Historie der Figur Spirous, des gleichnamigen Magazins und über vorherige Zeichner und Autoren können im ersten Eintrag dieses Blogs nachgelesen werden. Dieser Beitrag jedoch wird sich speziell mit diesem gerade in deutscher Übersetzung erschienenen Werk und seiner unmittelbaren Vorgeschichte befassen.
© Carlsen

Vehlmann und Yoann haben die laufenden Serie im Jahr 2010 übernommen und seither vier Titel geschaffen. Ihre "Spirou"-Geschichten sind hierbei sowohl zeitlich als auch inhaltlich fortlaufend, weshalb hier - allerdings stark verknappt und gerafft - deren Geschehnisse wiedergegeben werden sollen. Vehlmann und Yoann bedienen sich beim Personal und den Motiven ihrer Geschichten bei altbekannten Figuren und Ideen aus den Abenteuern Spirous. Sie tun ebendies jedoch in einer Weise, dass bei wechselnden Schauplätzen, Personen und Motivationen, dennoch ein Verlauf der Handlung suggeriert wird, nach dem es gar nicht anders möglich scheint, als wie es dann mittels Bild und Text berichtet wird.
Im ersten Band der laufenden Serie des Magazins, den Vehlmann und Yoann übernommen hatten, "Angriff der Zyklozonks" aus dem Jahr 2010, stehen rätselhafte Entwicklungen in Rummelsdorf im Vorderung. Entwicklungen, die in ihrer Darstellungsform an eine Seuche denken lassen, denn ganz Rummelsdorf wird vom Militär unter Qurantäne gestellt und die Bewohner des kleinen Dörfchens werden von den dort eingesetzten Soldaten dekontaminiert. Spirou und Fantasio sind jedoch nicht gewillt diese geheimnisvollen Geschehnisse auf sich beruhen und den Grafen von Rummelsdorft, von welchem sie einen Hilferuf erhalten haben, im Stich zu lassen.
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Im deren zweiten Band "Die dunkle Seite des Z", erstmals veröffentlich 2011, erzählen Yoann und Vehlmann von der Erschließung des Mondes und von der Geheimbasis des Zyklotrops. Auf der urbanisierten Rückseite der Mondoberfläche wurde ein luxerisöses Ferienresaultat für die Reichsten der Reichen errichtet, mit künstlichem Stand, schneebedeckten Berghängen für Skiabfahrten und vielem mehr. Dieser Vergnügungspark der Extravaganz soll es Zyklotrop, von welchem er errichtet wurde, ermöglichen seine geheimes Mondhauptquartiert und den Misserfolg seines letzten und den Erfolg seines nächsten Vorhabens zu finanzieren. 

Die gezeichneten Geschichten von Vehlmann und Yoann schaffen dabei etwas, dass bisher in den Abenteuern Spirous nicht dagewesen ist, sie sind - zumindest teilweise - selbstreflektiv und Verhandeln aktuelle Diskurse und Probleme der heutigen Gesellschaft. Selbsreflektiv sind sie nicht nur dadurch, dass Spirou wiederum für den Dupuis-Verlag namentlicht für das "Spirou"-Magazin tätig ist, sondern vor allem dadurch, dass eine fiktive Leserin des Magazns in die Handlung eingebunden wird, wie auch die vorherigen Geschichten als reale Erlebnissse innerhalb des Comics wiedergegeben werden, was zu einer innerfiktionalen Brechung der Erzählerinsatzen führt. 
Was am Besten auf der dritten Seite des 51. Bands im Gespräch Spirous mit Nina, der Leserin, deutlich wird. "Ich hab den Comic über euer Abenteuer gelesen! Stimmt es echt, dass du DIE LEUTE FRESSEN WOLLTEST?!", fragt Nina ebenda Spirou, der erwidert: "HrHrm... Na hör mal, natürlich nicht! Die Autoren sind ercht freizügig mit der Wahrheit umgegangen..." (Band 51, S.3).
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Der dritte Band "In den Fängen der Viper", dessen Inhalt episodenhaft 2012 im "Spirou"-Magazin zum ersten Mal abgedruckt worden ist, erzählt eine deutlich realere und hierdurch auch eindringlichere Geschichte, als es für die sonstigen Comics von "Spirou und Fanatsios" üblich ist. Denn in diesem Band steht das "Journal de Spirou" vor Gericht und zwar wegen des Vorwurfs der Inhalt des Magazins weise "reiserische[n] Sexismus, Vulgarität[, und] die systematische Verunglimpfug der moralischen Werte [...] [der] Gesellschaft"(Band 51, S.4) auf, was sodann zu einer Schadensersatzzahlung von einer Millionen Euro führt. Da das Magazin jedoch nicht über derartige Summen verfügt, steht es kurz vor der Insolvenz, ehe ein dubioser Geldgeber mit den nötign Finazmitteln einsspringt. Dieser Geldgeber, ein Hedgefond-Manager, handelt allerdings nur scheinbar im Interesse des "Spirou"-Magazins, was innerhalb dieses Comics recht schnell ersichtlich wird. Welche Auswirkungen die Spekutation an der Börse haben kann und hat, benennt dieses "Spirou"-Abenteuer ebenfalls und greift solcherart ein noch immer nicht gelöstes Problem der so titulierten "Finanzkrise" und des Börsencrashs 2008 auf.  
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Der vierte und gerade erschienene "Spirou"-Band der laufenden Serie von Fabien Vehlmann und Yoann Chivard "Der Page der Sniper Alley" hingegen hat nichts mit Börsenzockerei, der Bildung von Eliten oder mit unberechnenbaren Ereignissen zu tun, sondern stattdessen wird ein Kriegsgebiet in den Fokus der Handlung gerückt. Nachdem der letzte Herrscher des fiktiven Landes Aswana, welches den beiden Ländern Syrien und Irak nach empfunden ist, durch einen unbemannten Militäreinsatz hingerichtet wurde und somit der Krieg beendet scheint, werden Spirou und Fanatsio vom Mafiosie Don Cortizone, Vito dem Pechvogel, durch Verquickungen mit vorherigen Erlebnissen dahingehend erpresst, dass sie sich an der Suche nach einem verschollenenen archologischen Erbe beteiligen sollen. In dieser gezeichneten Schatzsuchergeschichte, die zum Teil explizit auf Motive und Bildelemente aus den "Indiana Jones"-Filmen rekuriert, wird jedoch neben der Abbildung der ambivalenten Lebenswirklichkeit von alliierten Soldaten, Rebelen und der Zivilbevölkerung auch die mediale Berichtserstattung und Auseinandersetzung von Kriegshandlungen und gezielten Tötung von Staatsfeinden behandelt. Trotz der relativ realen Verhandlung ebendieser Verhältnisse ist "Der Page der Sniper Alley", gerade durch seine teils slapstickartige Erzähl- und Zeichenweise, die eine Distanz zu den tatsächlichen Ereignissen schafft, nicht durchweg ernüchternd und kritisch, wie etwa Ville Tietäväinen (1970-) ausgezeichnete Graphic Novel "Unsichtbare Hände", sondern detailreich, vielschichtig und dabei stets Gegebenes hinterfragend. Was unter anderem auch daran ersichtlich ist, dass beispielsweise auch indirekt auf die gegenwärtige Plünderung von Kulturstätten verwiesen wird. 
Yoann Chivard und Fabien Vehlmann, die bei diesem Band von Laurence Croix (Farben) und Fred Blanchard (Desidns) unterstützt wurden, rücken mit der Suche nach archologischen Funden ein Thema aus ihrem "Spirou"-Sonderband „Die steinernen Riesen“ aus dem Jahr 2006 abermals in den Vordergrund und bedienen sich zudem auch bei Figuren aus diesem Werk sowie aus "Die dunkle Seite des Z". Ferner hat Gaston Lagaffe einen kurzen Gastauftritt in einer drei Panel umfassenden Rückblende Fantasios. 
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Die Figur des Gaston Lagaffe ist ebenso wie die des Marsupilami, die sich auf einer einseitigen Abbildung aus dem Jahre 2013 am Ende dieses Bandes finden lässt, nur möglich, da der Dupuis Verlag die Rechte von André Franquin (1924-1997) jüngst übernommen hat. 
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Wie bereits bei den vorherigen Bänden werfen die Panels auf der letzter Seite des neusten Bands von Vehlmann und Yoann einen Blick voraus auf die wohl folgenden Ereignisse und so wird sich das neuste Abenteuer Spirous anscheinend mit dem Marsupilami, dessen Entführung und den Folgen dieser beschäftigen, womöglich aber auch nicht. Es wird zumindest in den beiden letzten Panels ein Rückgriff auf André Franquins Werke "Eine aufregende Erbschaft" und "Die Entführung des Marsupilamis" suggeriert.  

Yoann Chivard und Fabien Vehlmann haebn nach der Übernahme der laufenden "Spirou"-Serie zu verstehen gegeben, dass sie "den Geist der klassischen 'Spirou'-Geschichten für eine moderne Lesergeneration [...] adaptieren"(Band 52, S.51) wollen, was ihnen bereits durch die Formulierung neuer und aktueller Themengebiete in den einstigen Kindergeschichten und somit einem veränderten Erzählton zu gelingen scheint.  
 
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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder entstammen dem vom Carlsen Verlag der Presse zur Verfügung gestellten Material. Hier verwandte Informationen enstammen auch den jeweiligen Anhängen der "Spirou"-Bände. 

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Mit einer ähnlichen Thematik befassen sich unter anderem die Einträge: 

http://pictimundi.blogspot.de/2014/10/bande-dessinee-zum-75jahrigen-jubilaum.html
oder 

http://pictimundi.blogspot.de/2014/12/bande-dessinee-emile-bravos-pauls.html

Donnerstag, 19. Februar 2015

漫画 (Manga):
Toriyamas gesammelte Kurzgeschichten und ein Backfisch liebender Katzendämon
Toriyama Akira ( 鳥山 明, 1955-), der seit dem weltweiten Erfolg seines Mangas "Dragon Ball", mit zu den bekanntesten und beliebtesten Mangaka schlechthin zählt, wird gerade in Form seiner Kurzgeschichten in Deutschland neuerlich veröffentlicht.
© Carlsen Verlag
Toriyamas Kurzgeschichtenserie "Neko Majin" (ネコマジン) erscheint hierbei als vierter Band der Reihe "TORIYAMA SHORT STORIES" abermals beim Carlsen Verlag. Erzählt werden in diesem Band die durchaus amüsanten und abwechslungsreichen Abenteuer dreier unterschiedlicher Katzendämonen, von denen der erste die Welt vor einem Dämonen retten muss, der zweite nur auf seinen Vorteil und sein Vergnügen aus ist und deswegen Touristen prellt und letzterer Katzendämon es mit Außerirdischen, einer Entführung und schmackhaftem Backfisch zu tun bekommt. Die Kurzgeschichten über die Katzedämonen entstanden zwischen 1999 und 2005.
© Carlsen Verlag /picti mundi
Das erste Mal wurde "Neko Majin" episodenhaft im BANZAI-Magazin veröffentlicht und hierauf dann separat 2007 als Taschenbuch herausgegeben, wie auch Toriyamas Kurzgeschichte "Mad Matic" aus dem Jahre 1982 als Hosentaschenbuch (chibi) 2009. 
Im vom Carlsen Verlag bis Dezember 2005 publizierten BANZAI-Magazin waren Zeichnungen um Toriyamas Katzendämon mehrfach auf dem Cover. Das erste Mal in der Ausgabe Nummer 8 vom Juni 2002. Doch im BANZAI-Magazin erschienen auch andere Titel Toriyamas, so etwa "Sandland" - wurde im Jahr 2002 unter dem Label "Best of BANZAI!" als Taschenbuch verlegt - oder die neu gestalteten Geschichten von "Dr. Slump", die jedoch bisher nicht gesondert veröffentlicht worden sind. 
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In den letzten beiden Jahrzehnten, genauer nach dem Abschluss seiner Serie "Dragon Ball Z", war Toriyama auf dem japanischen Markt weniger Präsent als zuvor und machte nur sporadisch mit kürzeren Werken von sich reden, was allerdings diesen zu einer größeren Aufmerksamkeit verhalf. 
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Die acht Kurzgeschichten "Neko Majins" sind in diesem Kontext veröffentlicht worden und dienten Toriyama Akira - neben dem bloßen Umstand seiner Leserschaft abermals etwas von ihm Gezeichnetes darbieten zu können - ebenfalls dazu, sich humoristisch mit seinen eigenen Werken auseinanderzusetzen. Somit ist "Neko Majin" unter anderem ein Rückgriff Toriyamas auf seine anfänglichen Mangaerfolge, sowohl was die Art des Erzählens als auch die Motivwahl angeht. 
Die Reihe "TORIYAMA SHORT STORIES" enthält nicht nur die One-shots und sonstigen Kurzgeschichten Toriyamas, sondern auch zusätzliche Informationen, wie die Orts- und Datumsangabe der Erstveröffentlichung jedes einzelnen ebenda abgedruckten Kapitels. Im zweiten und im dritten Band ist zum einen ein sechsseitiger Bericht abgedruckt, in dem Toriyama erzählt, wie er zu einem Mangaka wurde und zum anderen in einem gezeichneten "Making of" schildert, wie es ihm bei seinen ersten Veröffentlichungen erging und in welchem Umfeld und unter welchen Umständen er seine anfänglichen Geschichten schuff. Wodurch diese Mangareihe es den Leserinnen und Lesern ebenfalls ermöglicht die Entwicklungen im Schaffen dieses Mangakas besser nachvollziehen zu können. Somit werden Veränderungen in seinen Werken verständlicher, wie der zwischenzeitliche Wandel von Titeln, die überwiegend lustig sein sollten, zu solchen mit mehr Kämpfen und verwobeneren Geschichten, aber auch die daran anschließende Kehrtwende Toriyamas. Eine solche bebilderte Kommentierung des eigenen Werks ist für Toriyama nicht ganz unüblich und findet sich dergestalt auch in den achtzehn Bänden seiner Mangaserie "Dr. Slump" wieder.
© Carlsen Verlag
Diese Reihe, die "TORIYAMA SHORT STORIES", enthält unter anderem die Kurzgeschichten "GO! GO! ACKMAN!", "Cashman - Der Krieger der Sparbüchse", "DUB und PETER 1", "Chobit" oder "COWA!", die in Europa schon vor fünfzehn Jahren beispielsweise beim französischen Verlag Glénat erschienen sind und zwar zwischen März 1998 und September 1999, aber bisher nicht in einer deutschen Variante vorlagen, was zeigt, wie überfällig eine solche Publikation - jedenfalls für die hiesige Leserschaft Toriyamas - gewesen ist.
Die Sammlung ist nicht chronologisch konzipiert, was allein daran ersichtlich ist, dass Toriyamas beiden ersten One-shots "Wonder Island" aus den Jahren 1978 und 1979 erst im dritten Band enthalten sind, was jedoch nicht zum Nachteil der Reihe ist. 

Vor allem die Vorüberlegungen zu Toriyams meist verkaufter Serie "Dragon Ball" (1984-1995) sind im zweiten Band dieser Reihe erkennbar, namentlich in den Kurzgeschichten "Dragon Boy" (1983) und "Tongpoos großes Abenteuer" (1983). Diese beiden Kurzgeschichten nehmen das Aussehen von Schauplätze und Figuren, wie deren Charaktereigenschaften, den Witz, die Handlung und die Neuerungen, welche "Dragon Ball" mitunter zu einer solchen Beliebtheit bei den Lesern und Leserinnen verholfen haben, vorweg. 
In gewisser Weise waren diese Kurzgeschichten die Blaupausen Toriyamas für seine größeren Werke, was auch im Falle seiner Werke "Dr. Slump" und "Kajika" nach der Lektüre der "TORIYAMA SHORT STORIES" festgehalten werden kann.
© Carlsen Verlag
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Das neuste Werk aus der Feder Toriyama Akiras "JACO - THE GALACTIC PATROLMAN" aus dem Jahre 2013, welches unter dem Titel "Ginga Patrol Jaco" (銀河パトロール ジャコ) publiziert wurde und bislang noch nicht in irgendeiner deutschen Übertragung vorhanden gewesen ist, ist im nächsten Band dieser Reihe enthalten. Der offizielle Erscheinungstermin dieses Bandes, der mit 256 Seiten etwas umfangreicher als die vorherigen sein wird, ist der 26. Mai 2015.
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Und so bleibt schlussendlich nur die Frage, weshalb Toriyamas Erfolgsserie "Dr. Slump", die immerhin zwei Animeumsetzungen erfahren hat, von denen die jüngere in Deutschland ab Juni 2002 auf RTL 2 ausgestrahlt und hierauf auf DVD herausgegeben worden war, nicht mehr im Verlagsprogramm von Carlsen zu finden ist. "Dr. Slump" wurde im  Weekly Shōnen Jump zwischen 1980 und 1984 veröffentlicht und gilt noch heute als einer der Wegweisendsten Gag- respektive Witzmangas, der eine ganze Generation von Mangaka und Lesern beeinflusst hat. 
© Carlsen Verlag /picti mundi
Ein Nachdruck in Taschenbuchform der im BANZAI-Magazin erschienen neuen Geschichten von "Dr. Slump" wäre zumindest, falls sich die Kurzgeschichten dieser Reihe Toriyama-Senseis gut verkaufen, wünschenswert.
   
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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder entstammen dem vom Carlsen Verlag der Presse zur Verfügung gestellten Material oder sind selbst aufgenommene Fotografien. 

Dienstag, 17. Februar 2015

漫画 (Manga): Werbestrategien deutscher Mangaverlage

漫画 (Manga):
Werbestrategien deutscher Mangaverlage
Das Beispiel TOKYOPOP und KAZÉ
Herrschen hier schlicht Angebot und Nachfrage? Wohl kaum, denn es geht nicht nur darum, Zeichnungen hier oder dort zu erwerben, sondern um einzelne spezielle Produkte, die von nur wenigen Verlagen im deutschsprachigen Raum überhaupt angeboten werden, hier besteht im Grunde ein Oligopol. Wenn es um einen konkreten Titel geht, stellt sich dann schon einmal die Frage, ob er überhaupt in einer Übersetzung erhältlich ist und wenn ja, sind es beinahe ausnahmslos - zumindest für einen Sprachraum - Monopole, die seitens der Verlage bestehen. Da jedoch meistens - jedenfalls vor dem Beginn einer Lektüre - der Leser oder die Leserin noch nicht weiß, was denn das Nachfolgewerk sein soll, greifen an ebendieser Stelle doch wiederum ganz gewöhnliche Markt- und somit auch Werbemechanismen. 
zeno
Wie kann sich also ein Verlag, der japanische Comics in Deutschland publik macht, gegen andere Verlage, die ihrerseits selbiges tun, positionieren? Sicherlich gibt es hierfür nicht die einheitliche, allumfassende Antwort. Dennoch sollen hier einige Aspekte, die die direkte Werbung der jeweiligen Verlage prägen, benannt werden. Im Falle dieses Beitrags werden die Verlage KAZÉ und TOKYOPOP etwas genauer betrachtet. 
Zuvörderst fällt auf, dass deren jeweilige Sortimente durchaus divergent sind und die beiden Verlage sie dergestalt an verschiedene Zielgruppen adressieren. 
Bei TOKYOPOP lässt sich feststellen, dass gerade zuletzt beim Werben für neue Titel stark auf diejenigen gesetzt worden ist, deren Animeserien äußerst erfolgreich gewesen waren und zwar nicht nur in Japan. Hierdurch ist selbstverständlich das Wissen über diesen Manga bereits bei den Konsumenten vorhanden und möglicherweise auch der Wunsch nach diesem, was vor allem dadurch ersichtlich wird, dass TOKYOPOP nicht nur Mangas, sondern auch die entsprechenden Light-Novelserien ebenfalls übersetzt und somit dem deutschen Publikum zugänglich gemacht hat. Natürlich ist zu fragen, ob es überhaupt Animeumsetzungen mancher Werke gegeben hätte, wenn sich nicht bereits der Manga gut verkauft hätte und dies muss man, spätestens nach der Lektüre von "Bakuman." in jedem Fall verneinen, aber es handelt sich hier nicht um den japanischen, sondern den deutschen Markt. Was heißen soll, dass dadurch, dass bei jenen Titeln mit Animeumsetzungen, diese überwiegend schon ausgestrahlt wurden oder noch werden, wenn die Mangas in deutscher Übersetzung erscheinen. Dies gilt vor allem unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Aktualität der japanischen Erstausstrahlungen.
TOKYOPOP bewirbt diese Mangaserien allerdings öffentlichkeitswirksam auch derart, dass sie möglichst viele Rezipienten erreichen. Die Programme mit den Neuankündigungen sind demnach mit dem vielversprechendsten Titel auf der Vorderseite und einem Poster desselben Titels versehen. Im Programm vom Dezember 2014 bis März 2015 war dies "Terra Formars" und im aktuellen Programm April bis Juli 2015, welches seit dem 12. Februar beim Händler vor Ort ausgelegt ist, ist dies "Kill la Kill".
Zudem erhalten solche Titel nicht nur eine online Leseprobe, wie alle anderen Serien, die im Programm von TOKYOPOP erhältlich sind, sondern auch eine gedruckte Leseprobe, die an die jeweiligen Händler verteilt wird und dort seitens der Leserinnen und Leser kostenfrei mitgenommen werden kann. Auch bei der Wahl dieser Titel finden sich einige beliebte Animeserien. Bei den letzten sechs gedruckten Leseproben, wiesen immerhin vier von ihnen eine bekannte filmische Fernsehadaption auf.
© TOKYOPOP / picti mundi

Darüber hinaus hat TOKYOPOP gezielt Werbung für seine relevanten Zielgruppen außerhalb der eigentlichen Vertriebswege platziert und zwar durch die Benutzung von medialen Einblendungen beispielsweise bei "Ninotaku TV" auf Youtube. Für die Titel "Tales of Symphonia" im Beitrag vom 11.02.2015 und "Servamp" im Beitrag vom 28.01.2015 und vom 04.02.2015.

Der Verlag KAZÉ, der nicht nur Mangas, sondern auch Animes vertreibt, besitzt von vornherein damit einen anderen Marktzugang. Was unter anderem am eigenen Youtubekanal und dem Werben mittels kurzer Videos für ihr Programm, etwa dem für den Titel "Übel Blatt", ersichtlich ist.
Im Gegensatz zu den Leseproben der anderen deutschen Verlage wird die "KAZÉ MANGA REVIEW" in Mangaform herausgegeben und ist gleichzeitig das Verlagsprogramm für einen bestimmen Zeitraum. Somit ist die Programmbekanntgabe KAZÉs viel umfangreicher als die Vorschau anderer Verlage, etwa des Carlsen Verlags oder EGMONT MANGA, bei denen nur bis zu zwei Seiten einer Serie abgedruckt werden. Die "KAZÉ MANGA REVIEW" enthält nahezu immer ein Kapitel des jeweiligen Mangas und ermöglicht es somit der Leserschaft bereits die von ihnen neuvertriebene Serie anzulesen. Überdies sind sie aufgrund ihres Taschenbucheinbands und ihres Formates darauf ausgelegt, schließlich im Regal der Leser und Leserinnen zu verweilen.
© VIZ Media Switzerland SA. / picti mundi
Doch zeigt sich bei der Wahl der Titel ebenfalls ein Fokus auf Mangaserien, die als Anime ausgestrahlt wurden oder werden, in jüngerer Zeit waren dies die Serien "Tokyo Ghoul", "NISEKOI" und "MAGI". Bei diesen Serien besitzt KAZÉ zugleich auch die Animerechte, sodass die Werbemaßnahmen für den Manga zeitgleich auch dem Anime zugutekommen können oder umgekehrt. 
© VIZ Media Switzerland SA. / picti mundi
Wie eigentlich alle deutschen Mangaverlage drucken KAZÉ und TOKYOPOP in ihren Einzelbänden im Anhang zudem kurze Angaben und Abbilungen anderer Titel ihres Programmes, die dem jeweiligen Werk, welches der Leser gerade liest, ähneln.  
Darüber hinaus sind beide Verlage in den sozialen Netzwerken aktiv und deren Newsletter können auch via Email abonniert werden.

Ob dieses Vorgehen sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirkt kann und soll hier nicht behandelt werden. Vielmehr handelt es sich hierbei jeweils um ganz gewöhnliche Marktpositionierungsversuche der Verlage und gleichzeitig um eine gute Informationsquelle für die jeweilige Leserschaft, die mitunter aber auch zu einer Art von Kanonbildung beitragen kann. Ein gewisser Kanon wird jedoch bereits durch die limitierte Übernahme von extra ausgewählten Titeln der japanischen Werke vorgenommen.