Sonntag, 14. August 2016

Die Bedeutung von Higuchis Lied


In der Mitte der vierten Folge von „The Tatami Galaxy“ besingt Higuchi in seinem Lied was der namenlose Protagonist zu tun habe, damit seine Geschichte ein erfolgreiches Ende nehmen kann. Verdichtet wird dies in der dritten Zeile anhand von drei Zeichen: Dreieck, Kreuz und Kreis, welche hier ebenfalls die gesamte Aussage des Lieds versinnbildlichen. 
Der Kreis – maru まる – ist neben seinem Symbol des Ununterbrochenen und hierbei ewig Andauernden, was beispielsweise auch der Ehering repräsentieren soll, im Japanischen gleichzeitig auch das Zeichen für eine positiv Bestätigung und wird verwendet, um etwas Richtiges zu markieren. Während das Kreuz – batsu – die gegenteilige Bedeutung besitzt und folglich einen Fehler, Ablehnung und Verneinung ausdrückt. Wodurch an dieser Stelle des Liedes bereits die Möglichkeit einer richtigen und einer falschen Wahl verdeutlicht wird, welche für den namenlosen Protagonisten in „The Tatami Galaxy“ doch schließlich das Bestimmende innerhalb seines Lebens sein wird.

Die Bedeutung des Dreiecks wird bereits in der zweiten Zeile des Liedes, wenn es heißt „sayonara sankaku“ „Auf Wiedersehen Dreieck“, durch den Gesang Higuchis dem Publikum übermittelt. Bei den Worte „Sayonara sankaku mata kite shikaku“ handelt es sich um ein direktes Zitat des Anfangssatzes eines japanischen Wortspiels für Kinder. Dieses Wortspiel, das auch in verschiedenen Kinderbüchern abgedruckt wurde, wird unter anderem von Kindergartenkindern vorgetragen, die in einem Kreis stehen und mit einem Ball prellen. Es geht reihum, mit einem Text, der zwar immer denselben Anfang hat, sich dann jedoch je nach Ort unterscheiden kann. Wenn der Ball hinunterfällt, dann beginnt das Rezitieren erneut, solange bis die Kinder mit dem Text einmal erfolgreich durchgekommen sind. Ein Ball ist aber nicht zwingend erforderlich und oft lernen die Kinder das Wortspiel im Unterricht, um es gemeinsam aufzusagen
© picti mundi/kadokawa
Die Textzeile „tokaku ha shikaku, shimen no gokaku, rokkaku, shichimenchou“, was ins Deutsche übertragen „Viereck, vier Seiten des Fünfecks, Sechseck, Truthahn (beziehungsweise wörtlich übersetzt siebengesichtiger Vogel)“ heißt, greift das Wortspiel des Kinderliedes auf und führt es in Art und Weise einer Rakugodarbietung fort.
Die sechste und siebte Zeile greifen mit den Worten: „maru wo sagashite, maru wo sagashite, maru ni narenu no manabuta ne“ „Suche nach dem Kreis, suche nach dem Kreis, um zu lernen, wie man kein Kreis wird“, das Wortspiel um das Dreieck mit seiner Kreisform abermals auf und verstärkt dessen Anspielung noch, die darin liegt, dass man dadurch, dass man den Kreis erlernt, gleichzeitig auch erfährt, wie man etwas richtig zu Ende bringen kann. Eben hierdurch verweist das kindliche Wortspiel, darauf was der Protagonist zu tun habe, damit seine Geschichte ein erfolgreiches Ende nimmt.
© picti mundi/kadokawa
Die beiden zuletzt benannten Zeilen Higuchis Liedes können über Gedankenverbindungen zum Wort maru durchaus mehr als nur die direkte Übersetzung als Kreis bedeuten. Wenn ein Japaner das Wort maru hört, denkt er an das Wort Kreis, jedoch meistens an jenes Schriftzeichen , welches neben der Bedeutung von Kreis auch gleichzeitig die Bezeichnung der Währung ist. So kann dieses Schriftzeichen auch als en ausgesprochen werden, mit en wird allerdings auch sogleich ein anderes Kanji assoziiert, das ebenfalls als enishi oder e gelesen werden kann.
Dieses Schriftzeichen bezeichnet eine Verbindung, die zwei Menschen zueinander haben, eine Möglichkeit jemanden zu treffen und mit diesem eine Beziehung einzugehen oder aber das Schicksal, welches zwei Personen auf mysteriöse Weise zusammenführt.
Demnach kann die Liedzeile „auf der Suche nach dem Kreis“ auch mit „auf der Suche nach einer Verbindung“ übersetzt werden. 
© nipponart/beez/picti mundi
Während dieses Liedes, in der vierten Folge des Animes, sind denn auch alle wichtigen Figuren für eine solche Verbindung – und zwar ausschließlich diese – versammelt: Die potentiell Liebenden, Akashi und die unbenannte Hauptfigur, und die Gottheit, die über ihre Beziehung entscheiden kann, was auch den romantisch wirkenden Abendhimmel in dieser Szene sinniger erscheinen lässt. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen